
Nikolay Pushkarev
Romantic Visions
25. Juli 2026 um 19:00
PROGRAMM
ERSTER TEIL
Nikolai Medtner (1880-1951)
Sonata in G minor, Op.22
Franz Liszt (1811-1886)
from 6 Etudes d'après Paganini, S140
No.2 in E b major - Andantino capriccioso
Franz Schubert (1797-1828)
Franz Liszt Transcriptions for solo Piano
-Sei mir gegrüßt, D.741 (Liszt S.558 No.1)
-Der Müller und der Bach, D.795 No.19
(from die schöne Müllerin)(Liszt S.565 No 2)
-Ständchen, D.957 No.4 (after Shakespeare)
(from Schwanengesang)(Liszt S.560 No.7)
-Gretchen am Spinnrade,
D.118 (Liszt S.558 No.8)
-Erlkönig, D328 (Liszt S.558 No.4)

Foto: Pia Neuenschwander
ZWEITER TEIL
Franz Liszt (1811-1886)
from Études d'exécution transcendante
No.12- Chasse-neige,
Richard Wagner (1813-1883) /Franz Liszt
Isoldes Liebestod (S.447)
Gesamtdauer des Konzertes: ca. 70 Minuten

Das bin ich
Der ukrainische Pianist Nikolay Pushkarev lebte in Amerika, dann wurde ihm sein Pass in Prag gestohlen. Heute ist er froh, in Bern und nicht im Krieg zu sein.
von Elisabeth Zschiedrich
Wenn einem auf Reisen das Gepäck gestohlen wird, mit allen Wertsachen, Bankkarte, Reisepass, ist das immer ärgerlich. Für den Ukrainer Nikolay Pushkarev war es eine Katastrophe. «Der 15. Juni 2024 hat mein Leben verändert», sagt der heute 28-jährige.
An dem Tag spielte er bei einem Opernfestival in Prag. Nach der Aufführung im Nationaltheater war sein Rucksack aus dem Backstage-Bereich verschwunden. Erst hoffte Pushkarev auf eine Verwechslung. Doch dann sah er den Dieb auf einem Überwachungsvideo.
Zurück in die USA konnte Pushkarev nicht
Für Nikolay Pushkarev hiess der Verlust seines Passes, er würde nicht nach Cleveland, USA zurückkehren können. Dorthin, wo er seit acht Jahren lebte. Und einen neuen Pass würde er nur in der Ukraine bekommen.
Seit Mai 2024 stellen ukrainische Botschaften Männern zwischen 18 und 60 Jahren keinen neuen Pass aus, wenn diese sich nicht zuvor beim Militärdienst registriert haben. Die Regierung will kriegsfähige Männer in ihr Heimatland zurückholen, wo sie eingezogen werden können.
«Unendlich dankbar» sei er, sagt Pushkarev
Im Juni 2024 holte ihn die Realität ein. Er stand vor der Wahl. Entweder, er registriert sich, um einen neuen Pass zu erhalten und riskiert damit den Einzug ins Militär. Aber auch die andere Option, ohne Pass weiterzuleben, veränderte für ihn sehr viel.
Nach Ohio konnte er nun nicht zurück. Er sass in Prag fest, aber auch dort konnte er nicht bleiben. In Tschechien hätte er höchstens ein Duldungsvisum bekommen, keine staatlichen Hilfen, keine Krankenversicherung, keine Arbeitserlaubnis.
Ein Freund seines Vaters stellte schliesslich den Kontakt zu Werner Schmitt her. Im August 2024 holte ihn dieser nach Bern. «Unendlich dankbar» sei er ihm dafür, sagt Pushkarev.
Ein Glücksfall für den jungen Pianisten
Schmitt ist ein Glücksfall für den jungen Pianisten. Als Cellist und ehemaliger Direktor der Musikschule «Konservatorium Bern» ist er in der Musikszene der Stadt und darüber hinaus bestens vernetzt.
Außerdem pflegt er schon lange Kontakt in die Ukraine. Vor 25 Jahren gründete er «Legato», einen Verein zur Förderung des kulturellen Austauschs zwischen Bern und Odessa, der inzwischen «Ukraine Culture Network» heißt. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat der Verein sein Engagement für ukrainische Musikerinnen und Musiker noch einmal verstärkt.
CD mit Werken von Rachmaninow und Ravel
Alles, was er jetzt hat, verdanke er Schmitt, sagt Pushkarev. Er habe ihm geholfen, den Fokus trotz aller Schwierigkeiten und Sorgen wieder auf die Musik zu legen. Musik sei seine Sprache, damit könne er sich ausdrücken und die Herzen der Menschen erreichen. «So helfe ich meinem Land viel besser als an der Front», ist er sich sicher. Eine universellere Sprache des Friedens als die Kunst und die Musik gebe es nicht.
Hoffnungen für die nahe Zukunft
Langfristige Pläne traut er sich nicht zu machen, dafür ist alles zu ungewiss. Aber Hoffnungen für die nahe Zukunft hat er. Dass er ein Papier bekommt, das ihn im Schengen-Raum reisen lässt und dass er sich als Pianist in der Schweiz etabliert.
In die Ukraine jedenfalls drängt es ihn nicht zurück, auch nicht, wenn der Krieg bald vorbei sein sollte. Auch seine Familie hat das Land verlassen. Sein Vater lebt schon lange in Lettland, seine Mutter und seine Schwester sind vor dem Krieg nach Deutschland geflohen. In der Schweiz gefällt es Pushkarev sehr gut.
Seine Heimat aber, sagt er, ist die Musik. Wenn er ein Werk einstudiert, manchmal stundenlang, dann geht es ihm darum, es zu verinnerlichen, es zu einem Teil von sich selbst zu machen. Wenn Pushkarev das schafft, dann weiß er, wer er ist, und die, die ihm zuhören, spüren es auch.
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Eintrittspreis 30.-
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Silas Bürgi-Zentner
Dorfstrasse 12
CH 3472 Wynigen
Tel: +41 (0) 77 404 12 50

